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Dr. Michael Rudolph
1. Der Ort vor der Ersterwähnung im Jahre 1097
Die bisher zu Tage getretenen Spuren aus der Zeit, bevor Weimar im Hochmittelalter in die Geschichte eintritt, sind nicht allzu umfangreich: Kleinfunde von Gerätschaften der Altsteinzeit, der Mittelsteinzeit, der Jungsteinzeit und der Bronzezeit, eine Abfallgrube und ein Gräberfeld aus der jüngeren Hallstattzeit sowie frühmittelalterliche Scherben. Ein Bodenfund von größerer Bedeutung ist hierbei das 1968 bei Baumaßnahmen an der Helfensteinschule entdeckte Gräberfeld der Hallstattzeit, das an eine nahegelegene Siedlung im 6. / 5. Jahrhundert v. Chr. denken läßt.
Die Präsenz des vorgeschichtlichen Menschen bezeugen auch die Ringwallanlagen auf dem Hohen Dörnberg, die von einer Höhensiedlung stammen können. Hier finden sich auch Reste einer mittelalterlichen Schanze, von der man annimmt, daß sie aus der Zeit des Krieges von Kaiser Heinrich IV. gegen Otto von Northeim (1071) stammt. Diese nicht unbegründete Vermutung, die bereits im 16. Jahrhundert als Tatsache geäußert wird, bildet den Ausgangspunkt einer lokalen Legende, nämlich daß Heinrich der IV., König von Deutschland und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, damals durch Weimar gekommen sei und die heutige Straßenbezeichnung „Königsfahrt“ auf dieses Ereignis zurückginge. Eine solche Anwesenheit Heinrichs IV. ist jedoch weder urkundlich bezeugt, noch ist es sicher, daß Weimar in dieser Zeit als Dorf existiert hat, worauf im folgenden Kapitel eingegangen wird. Der Name „Königsfahrt“ geht vielleicht auf eine alte Flurbezeichnung zurück. Die Schanzenreste selbst werden zuerst in der Hessischen Chronik von Wilhelm Dilich aus dem Jahre 1605 erwähnt:
„Derowegen wolte er [Otto v. Northeim] sein eusserst heil versuchen / vnnd versamlet hierumb ein kriegsvolck / nahm den berg Hasungen in zu seinem vorthel vnnd festiget den auffss sterckest. Der Keyser aber lag auffm Doernberge / wie die schantzen noch ausweisen“
Den historischen Hintergrund bilden Auseinandersetzungen zwischen dem aus dem sächsischen Hochadel stammenden Otto von Northeim (gest. 1083), der Herzog von Bayern war, und Kaiser Heinrich IV. Im Jahre 1070 wurde Otto beschuldigt, die Ermordung des Kaisers geplant zu haben. Er wird des Hochverrats für schuldig befunden und verliert das Herzogtum Bayern, zu dessen neuem Herzog Welf IV. vom Kaiser ernannt wird. Dagegen setzte sich Otto zur Wehr, und es kam zu blutigen militärischen Auseinandersetzungen. Anfang des Jahres 1071 verschanzte sich Otto von Northeim auf dem Hasunger Berg, und Heinrich, der eigentlich von seinem Aufenthaltsort Goslar nach Bayern ziehen wollte, um dort den neuen Herzog einzuführen, war gezwungen, Truppen aus Sachsen, Thüringen und Hessen zusammenzuziehen...
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