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Neue Flurtafel erinnert an Wüstung Germershausen

Wenn man die verlängerte Harleshäuser Straße über die Bahnlinie in die Heckershäuser Feldgemarkung geht, dann erreicht man nach einigen hundert Meter einen kleinen Bachlauf, der Rainbach heißt.
Dieser Rainbach könnte einmal durch ein Dorf geflossen sein, das an dieser Stelle lag. Es wird zum ersten Mal im Jahre 1266 unter dem Namen Germarshausen erwähnt. Andere Namen für den Ort waren Germarshusen oder Kerroeshausen. Der Ort gehörte zum Kloster Nordshausen bei Kassel, heute ein Kasseler Stadtteil. In 1386 war Germershausen Eigentum von Reinhard V. von Dahvigk auf der Weidelsburg. Erwähnt wird der Ort in 1539 im Casseler Salbuch mit dem Namen Germershausen. Danach gibt es 320 Jahre keine weiteren verlässlichen geschichtlichen Erwähnungen.
1859 wird in der Kurhessischen Topographischen Karte diese Siedlungsstelle als Wüstung Gerwichshausen bezeichnet.Die Flurtafel für die Wüstung Germershausen ist an der verlängerten Harleshäuser Straße neben dem Rainbach zu finden, wo das untergegangene Dorf früher einmal gelegen hat.
Georg Landau, Mitgründer des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde veröffentlichte 1858 die „Historisch-topographischen Abhandlungen über die Wüsten Ortschaften im Kurfürstentum Hessen.
In seinem Werk beschreibt Georg Landau auch Gründe dafür, dass aus Dörfern Wüstungen wurden. Einige seien hauptsächlich durch Kriege total zerstört worden. Dörfer seien auch abgebrannt oder aufgegeben worden, weil die Zinsherrn zu hohen Abgaben von den Bewohnern gefordert hätten. Schließlich sei auch die Bevölkerung von Dörfern durch verheerende pestartige Seuchen ausgestorben und die Dörfer dann aufgegeben worden.
Aber Gebietsreformen habe es früher auch bereits gegeben, bei denen Höfe und Gebäude zu Nachbardörfern geschlagen worden sei. Die Gründe für die Aufgabe von Germershausen sind nicht bekannt. Unweit der Wüstung gab es früher auch ein tiefes Loch, das „Billchenloch“. Es wurde in den fünfziger Jahre verfüllt, als der Landwirt Christian Rumpf plante, hier einen Aussiedlerhof anzulegen. Wären die Pläne verwirklicht worden, dann der Bereich der Wüstung wieder neu bebaut worden.
Die Wüstung von Germershausen war aber nicht die einzige in der Gemarkung von Heckershausen. Am benachbarten Rinnbach gab es noch einen weiteren Ort mit dem Namen Druhtolveshusum, der im Mittelalter untergegangen sein soll. Erwähnt wird, dass im Jahre 1097 der Edle Ditmar dem Mainzer St. Albanskloster 6 ½ Höfe mit zwei Mühlen und zwei Wäldern schenkte.
In der Gemarkung Heckershausen soll es auch Wüstungen am „Stalberg, Hun-erkam und Hunerberg" gegeben haben. Historisch nachweisbar sind jedoch nur die beiden Wüstungen Druhtolveshusum und Germershausen.

47 Flurtafeln wurden aufgestellt
Im Frühjahr 2003 starteten fünf Geschichtsarbeitskreis-Mitarbeiter das Unternehmen „Flurbezeichnungen". Über drei Jahre wurden alle in der Gemarkung Heckershausen vorkommenden Flurnamen zusammengetragen, und, soweit möglich, deren Ursprung und Bedeutung erforscht. Hierbei wurden auch die Kenntnisse der Heckershäuser Landwirte verwendet. Aus sechs Messtischblättern wurde eine Arbeitskarte entwickelt, diese in die 22 amtlichen Fluren aufgeteilt und alle bekannten Fakten eingezeichnet. Auf dieser Grundlage konnte dann die Buchversion für den zweiten Band „Heckershausen im Wandel der Zeit" geschaffen werden. Für die umfangreichen Arbeiten wurden über 650 Arbeitsstunden aufgewendet.
Im Jahre 2005 wurde entschieden, die geschichtsträchtigen Orte in der Gemarkung Heckershausen mit entsprechenden Tafeln, die auch einen kurzen, geschichtlichen Abriss der historischen Stelle enthalten, zu kennzeichnen. Vier weitere Mitarbeiter aus dem Geschichtsarbeitskreis kamen hinzu. Material- und Standortfragen mussten geklärt werden, Tafeltexte waren zu erarbeiten und Angebote einzuholen. Bis Mitte Mai 2006 wurden 47 Tafeln in der Gemarkung Heckershausen aufgestellt. Zu dem Arbeitskreis Flurbezeichnungen/Flurtafeln“ gehört: Georg Rühl, Horst Rühl, Norbert Schäfer, Rolf Mantel, Manfred Schröder, Herbert Iske, Erwin Ullrich und Werner Temme.

Die Alte Holländische Poststraße führte einmal durch Heckershausen

Eine bedeutende Handelsstraße des Mittelalters führt einmal durch Heckershausen. Die Alte Holländische Poststraße kann als Verlängerung der „Via Regia" des mitteleuropäischen Ostens, die von Görlitz/Neiße her kommend in die alte hessische Kurfürstenstadt Cassel führte, bezeichnet werden. Sie ist eine der bedeutendsten Handelsstraßen des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Sie führte von Kassel über Heckershausen nach Zwolle am Ijsselmeer in den Niederlanden (Holland).Der Verlauf der alten Holländischen Poststraße dürfte mit der verlängerten Harleshäuser Straße identisch sein, die noch heute durch die Heckershäuser Gemarkung führt. Im Hintergrund ist der Ortsteil Heckershausen zu sehen.
In Kassel verlief sie von der Altstadt über die Schenkebierstanne, Kiefernweg zwischen Vellmar-West und dem Jungfernkopf, den Goldsternweg bis in die Hans-Römhild-Straße in der Gemarkung Harleshausen. Sie tritt in der Flur „Im Mondschirm" in die Heckershäuser Gemarkung ein. Sie führte über die heutige Harleshäuser Straße, die Hauptstraße, die Schuhkaufstraße, wo Schuhe hergestellt und verkauft wurden. Der Verkauf hatte das Prädikat: „Freier Handel an öffentlichen Königsstraßen“. Die Straße führte weiter über die Bruchstraße, die Alte Straße hinauf zum Calderberg, von dort weiter über Meimbressen, Warburg, Paderborn und Münster nach Holland.
Heckershausen war durch seine besondere Lage an der Alten Holländischen Poststraße bis ca. 1700 als Rast- und Vorspannstation sowie den Schuhverkaufsplatz von besonderer Bedeutung. Nach 1700 übernahm Zug um Zug die neu angelegte „Holländische Straße" von Kassel über Obervellmar und Warburg bis Holland die Post- und Handelsstraßenfunktion. Das endgültige Aus für Heckershausen kam, als der Hessische Landgraf Karl zwischen 1794 und 1799 die Alte Holländische Poststraße per Dekret auf die Holländische Straße in Vellmar verlegte.

Text:   Manfred Schröder
Bilder: Helmuth Breiter